#50 – Abgefischt! Dem Waldviertler Karpfen auf der Spur

Shownotes

Wenn im Herbst die Waldviertler Teiche abgelassen werden, beginnt eine der traditionsreichsten Zeiten des Jahres: das Abfischen. Doch wie funktioniert das eigentlich und was macht den Waldviertler Karpfen zu einer so besonderen regionalen Spezialität?

In dieser Folge sind wir auf der Burg Heidenreichstein zu Gast und sprechen mit Teichrangerin Birgit Hofbauer-Domin über die jahrhundertealte Tradition der Waldviertler Teichwirtschaft, was die Aufgaben einer Teichrangerin sind, die Kunst des Abfischens und die Bedeutung des Karpfens für die Region.

Wir erfahren, warum ein Karpfen mehrere Jahre braucht, bis er auf dem Teller landet, welche Rolle die Bio-Karpfenzucht und die langjährige Zusammenarbeit mit Ja! Natürlich spielen und warum die Waldviertler Teichwirtschaft sogar als landwirtschaftliches Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Und was haben eigentlich Schokolade, Kaviar und Fischleder mit dem Waldviertler Karpfen zu tun? Eine Folge über gelebte Tradition, regionale Kulinarik und einen Fisch, der weit mehr zu bieten hat, als man zunächst vermuten würde.

Jetzt reinhören und den Waldviertler Karpfen von einer ganz neuen Seite kennenlernen!

Mehr zum Waldviertler Karpfen: https://www.waldviertel.at/karpfen

Mehr zum Abfischfest: https://www.waldviertel.at/abfischfeste

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Birgit Karpfen

Zuerst ist es wichtig, dass der Fischmeister rechtzeitig den Stöpsel zieht, also den Zapfen zieht, weil sonst wird das Wasser nicht weniger. Den Zapfen zieht man, ja.

Herzlich willkommen zu der neuen Ausgabe von „A Woidviertler, drei Leit“ und heute dreht sich alles um das wunderbare Thema Karpfen.

Ja, Karpfen hier, Karpfen da. Wir sitzen in der Burg Heidenreichstein bei der Teichrangerin Birgit Hofbauer-Domin. Grüß dich, Birgit.

Grüß euch. Teichrangerin, was ist denn das? Erzähl uns das einmal, was ist das für eine Bezeichnung? Das klingt ja schon nach dem coolsten Beruf, den es überhaupt gibt. Ja, den coolsten Beruf, den es überhaupt gibt, den habe ich wirklich.

Ich bin nämlich eigentlich eine Burgführerin auf der Burg Heidenreichstein und das mit den Teichen, das hat sich auch wunderbar ergeben. Ich komme eigentlich aus einer Teichwirtschaft, da ganz in der Nähe. Das ist eine kleine Teichwirtschaft, wir bewirtschaften ungefähr 12 Hektar und vor drei Jahren hat es die Möglichkeit gegeben, eine Ausbildung zur Teichrangerin zu machen.

142 Unterrichtseinheiten, das heißt wir haben alle die Schulbank gedrückt. Das ist aber eh viel. Ja, das war ganz schön, war über ein paar Monate eigentlich und wir haben da das pädagogische Rüstzeug mitbekommen, dass man halt einfach die Inhalte zum Thema Teich gut an Kinder und Jugendliche, aber natürlich auch an Erwachsene vermitteln können.

Warum ist das so ein wichtiges Thema da im Waldviertel und auch bei euch hier oben, das Thema Teich? Das haben ja viele andere Bundesländer gar nicht so am Schirm, glaube ich. Ja, das stimmt. In Deutschland gibt es das Land der 1000 Teiche und wir da im Waldviertel sind eigentlich das Land der 2000 Teiche.

Bei uns gibt es 2000 Teiche und wir sind eigentlich neben der Südsteiermark das größte Gebiet, wo Karpfen produziert wird. Die Hälfte der Jahresproduktion von ganz Österreich an Karpfen wird bei uns da im Waldviertel gemacht. Das ist anscheinend richtig deine Leidenschaft, weil du warst eine längere Zeit in Wien auch als Immobilienmanagerin tätig und hast dann gesagt, ich fahre jetzt zurück ins Waldviertel und werde Teichrangerin. Wie ist das gekommen?

Ganz losgelassen hat mir das Waldviertel eh nicht. Wir haben unsere Wochenenden eh normalerweise da heroben verbracht. Das mit der Ausbildung hat sich gut ergeben.

Wenn man daheim eine Teichwirtschaft hat, dann muss man sowieso öfters mithelfen. Der Job da auf der Burg Heidenreichstein, das hat sich halt dann wirklich günstig ergeben. Ich sage immer, jetzt zeige ich auch noch Immobilien her, aber nur eine und jetzt brauche ich nicht mehr verkaufen.

Das ist schon ein bisschen älter als die Immobilien, die du bis jetzt verkauft hast. Was kann man sich unter deinem Tätigkeitsfeld ein bisschen vorstellen? Teichrangerin, das klingt für mich so nach wildem Westen. Da hast du die Kanone eingesteckt und gehst von Teich zu Teich.

Aber wie kann man sich dein Einsatzgebiet so vorstellen? Was machst du den ganzen Tag? Nein, wir machen eigentlich Wissensvermittlung. Also wir laden uns Schulgruppen ein, Kindergartengruppen und schauen einfach, dass die in so ein- zweieinhalb Stunden Programm oder drei Stunden Programm einfach das Basiswissen mitkriegen, was sich bei uns in den Teichen einfach so abspielt. Und was sich da natürlich ganz wichtiger weise abspielt, ist der Karpfen.

Genau, der Karpfen ist unser Hauptfisch, da in der ganzen Region. Und wie der produziert wird und was die Teiche dann sonst noch für ganz wertvolle Dienstleistungen bringen, das ist ein Thema von so einer Teichrangerführung. Wir sind jetzt zwar junge Schulbuben, so schauen wir eh aus. Erzähl uns das ein bisschen. Was hat der Karpfen und der Teich für Bedeutung und wie passt das perfekt zusammen und was tut sich im Teich sonst noch so? Ja, da muss man vorweg schicken, dass es im ganzen Waldviertel keinen natürlichen See gibt. Alles, was wir hier an stehenden Gewässern haben, sind von Menschen handgemachte Teiche.

Also alle 2000 Teiche sind eigentlich von Hand gemacht oder von Menschen gemacht? Genau so ist es. Das ist die Eigenschaft von einem Teich. Alle 2000 Teiche sind von Menschen handgemacht und haben irgendwo einen Stöpsel, damit man es auslassen kann.

Also ein See ist natürlich und ein Teich ist immer von Menschen gemacht? Genau. Und ich brauche ja jetzt den See nicht erklären, aber einen Teich vielleicht. Und der hat einen Stöpsel, genau eine Ablassvorrichtung, damit man halt zu den Karpfen dazukommt, weil sonst kann ich ja den Teich nicht mehr fischen.

Das heißt, der Teich wird grundsätzlich einmal im Jahr einlassen und wieder auslassen oder wie funktioniert das? Genau, auslassen fangen wir mal damit an. Das heißt, man lässt jeden Teich eigentlich einmal im Jahr aus. Manche gibt es, die im Frühjahr ausgelassen werden, manche, die meisten eigentlich, werden im Herbst ausgelassen, damit man die Fische beerntet.

Jetzt oder wann wird das ausgelassen? Fängt Ende September an, geht eigentlich so bis Mitte, Ende November, dass wir halt genug Fische haben, dass wir unsere Kunden zu Weihnachten oder halt im Herbst und bis Weihnachten hin einfach versorgen können. Und das kann man sich auch anschauen bei euch, oder? Genau. Es gibt eigentlich mehrere Abfischfeste da in der Region.

Eines der größten findet da bei uns in der Region, also da in der Gemeinde eigentlich statt, am Bruneiteich statt. Am Samstag vorm Nationalfeiertag normalerweise und da können die Familien kommen, da können Erwachsene kommen zuschauen beim Abfischen. Da wird ein über 24 Hektar großer Teich gefischt und das ist normalerweise ein tolles Highlight, weil da bauen wir eine volle Gastronomie im Teich auf und schauen einfach, dass wir unsere Besucher auch entsprechend mit der regionalen Spezialität versorgen können. Und dann haben wir zwei Teichranger-Führungen, die wir da auch noch mitbewerben dürfen, nämlich von 6. bis 8.11. und von 13. bis 15.11. Und da machst du dann auch Führungen, also jetzt dann im November bald und zum Fest. Wann ist das genaue Datum? 24. Oktober.

24. Oktober, also jetzt, wenn man zuhört, unbedingt gleich vorbeikommen dann zum Abfischfest. Wie läuft sowas ab, wie funktioniert das Teich-Abfischfest, was passiert da alles? Ja, zuerst ist immer wichtig, dass der Fischmeister rechtzeitig den Stöpsel zieht, also den Zapfen zieht, weil sonst wird das Wasser nicht weniger.

Den Zapfen zieht man, ja. Der Zapfen, das kann man sich so vorstellen wie der Stöpsel in der Badewanne, also mit dem ist eigentlich das Abflussrohr versperrt das ganze Jahr über und, ungefähr drei Wochen vor dem Termin vom Abfischfest wird es gezogen und dann fängt der Teich an auszurinnen. Das erfolgt relativ langsam, damit die Fische auch mitgehen können.

Die Fische gehen dann mit dem Wasser mit und dann wird hoffentlich genau zu dem Termin, wo es Abfischfest ist, das Wasser so wenig sein, dass man dann einfach entsprechend zuschauen kann. Bei den großen Teichen wird es dann mit Booten gemacht, also da legt man die Zugnetze dann mit Booten aus und fangt halt, fischt halt die Züge, die immer wieder zu war und dann werden sortiert und abtransportiert. Der Transport, da ist das Tierwohl ganz, ganz wichtig, also da schauen wir, dass die Fische nur ganz eine geringe Zeit an der Luft verbringen.

Die leben also dann noch, das heißt die werden nicht da gleich frisch geschlachtet, sondern die leben noch, wenn sie abgefischt werden und werden dann lebend transportiert? Genau, immer auf Sauerstoff, also immer mit Frischwasser und immer Sauerstoff versorgt. Das macht man, dass der Fisch dann wirklich beim Kunden ganz frisch ankommt sozusagen? Genau, also geschlachtet wird er im Prinzip erst, wenn es der Kunde bestellt hat. Das wird dann ganz frisch gemacht und immer dann zu dem Zeitpunkt, wo dann geöffnet ist.

Und die werden alle immer bestellt und gebraucht, also das heißt sie sind immer ausverkauft eigentlich, oder? Ja, das ist eigentlich ein Punkt, der Selbstversorgungsgrad in Österreich bei Fisch liegt bei 8 Prozent. Das heißt, wenn man das jetzt rein statistisch anschaut, dann sind wir eigentlich Ende Jänner mit unserer Fischproduktion aufgegessen. Wirklich? Wahnsinn.

Deswegen, da wäre ja eigentlich Luft nach oben, aber ja, wir haben schon relativ viele Teiche. Wie viele Karpfen rechnet man da so pro Teich oder pro Quadratmeter Wasser? Gibt es da eine Einheit Karpfen pro Meter? Karpfen pro Einwohner? Karpfen pro Kubik. So eine blöde Frage. *lacht*

Also das kommt jetzt wirklich auf den Teich drauf an und auch wie der in der Produktion steht. Normalerweise braucht der Fisch drei bis vier Jahre, bis er speisefertig ist. Das kommt jetzt einfach wirklich darauf an, welche Größe von den Fischen drinnen ist.

Also wir haben da jetzt die Stofffische herumliegen. Das ist da so typischerweise einer, der zwei Jahre alt ist. Also so 30, 40 Zentimeter und dann gibt es aber auch welche mit einem Meter.

Genau und die so mit zweieinhalb, drei, dreieinhalb Kilo sind es dann die klassischen Fische, die man dann als Speisekarpfen eben verkauft. Die gehen hauptsächlich wohin dann in Österreich? Also wer sind da die Abnehmer? Also in unserem Fall von der Herrschaft Heidenrechstein der Teichwirtschaftsbetrieb. Das sind 95 Hektar.

Insgesamt ist es verpachtet und der Pächter produziert in Bioqualität und liefert eigentlich einen Großteil dann zu Ja!Natürlich. Billa Plus gibt es dann entsprechend auch in der Abfischsaison dann relativ frisch in den Märkten. Mit Ja!Natürlich gibt es eine sehr lange Kooperation.

Also die unterstützen uns da beim Abfischfest dann und schauen einfach, dass das entsprechend auch beworben ist, der traditionelle Waldviertler Karpfen. Sollen wir mal so zur Anzahl bei so einem Abfischfest, wie viel wird es da circa dann abgefischt? Also ich kann sagen, der Zuwachs ist so bei 500 bis 700 Kilo pro Hektar vom Speisefisch her. Da werden schon ein paar Tonnen herausgefischt aus dem Teich grundsätzlich natürlich.

Das kommt aber eben, wie gesagt, auf die Größe des Teiches an. Und was macht da ein Karpfen im Speziellen als Speisefisch aus? Warum ist der Karpfen da so beliebt? Der ernährt sich hervorragend vom Zooblankton, was eigentlich im Teich vorhanden ist. Also er wird bei uns auch zugefüttert mit Getreide-Leguminosen-Mischungen normalerweise, damit er halt auch rechtzeitig dann fertig ist, dass er groß genug ist.

Aber den Hauptteil nimmt er eigentlich aus der Naturnahrung im Teich auf. Und dieses Zooblankton, ich habe das übrigens da am Leiberl drauf, das sind so die Daphnien, das ist eigentlich das Lieblingsessen vom Karpfen. Das Zooblankton frisst die Algen, das Phytoblankton.

Und in dem Phytoblankton sind die Omega-3-Fettsäuren drinnen. Und das ist eigentlich das Gesunde am Karpfen. Das ist das, was wir selber nicht herstellen können, was wir eigentlich zuführen müssen.

Und deswegen ist der Fisch und in unserem Fall der Karpfen so gesund. Wer sich ein bisschen mit Nahrungsergänzungsmitteln auseinandersetzt, so wie wir auch hin und wieder, der nimmt dann auch gerne einmal Omega-3 zusätzlich zu sich. Ist gescheiter, wenn es ein Waldviertler Karpfen ist.

Dann brauchst du den Karpfen und so der Apotheken. Ja genau, ist viel gesünder, viel besser. Unglaublich, man merkt wirklich das Wissen und das Interesse an dem ganzen Thema.

Was ist beim Teich vielleicht sonst noch wichtig, damit ihr vielleicht auch unter dem Jahr nicht kippt oder dass alles passt von der ganzen Diversität und so weiter? Ja, ihr habt euch gut vorbereitet. Ja, also an sich ist der Teich ein großes Sammelbecken an Biodiversität. Und da leben total viele Pflanzen und Tiere drinnen.

Zum Teil bei uns auch sehr seltene Tiere und Pflanzen. Ein Ökosystem, was jetzt gerade einmal zum Thema Klimawandel, Klimawandelanpassung natürlich auch entsprechend hagelig ist. Also da muss man schon aufpassen.

Die Teichwirte im Sommer dann, die dann nicht nur füttern die Karpfen, sondern die müssen auch regelmäßig schauen, ob der Wasser, ob die Wasserqualität passt. Und das macht man normalerweise, dass man einfach schaut, zuerst die Temperatur anschaut und zum anderen den Sauerstoffgehalt. Das ist eigentlich das wichtige Thema.

Und wenn der Sauerstoffgehalt dann, wenn es ganz heiß wird, zu niedrig wird, dann gibt es sehr oft auch die Möglichkeit, dass man dann belüften tut, dass man Belüfter ansteckt und einfach versucht, den Luftsauerstoff ins Wasser zu bringen, damit es den Fischen weiterhin gut geht. Und was mich da noch fragt, ist ja, wenn man das Wasser einmal im Jahr oder einmal alle paar Jahre ablässt, ist das nicht für das restliche Ökosystem auch viel schlecht, dass man da dann für andere Wesen quasi den Lebensraum nimmt für eine gewisse Zeit? Und was passiert mit dem Wasser, das abgelassen wird? Wo geht das hin? Also wo wir sind, ist oben in unserem Fall, oberes Waldviertel. Wir sind gerade in Herrenreichstein da jetzt über der europäischen Wasserscheide.

Das heißt, bei uns fängt eigentlich dieser Wasserkreislauf gerade erst wieder an. Die Teiche sind meistens gespeist von den umliegenden Fluren. Da gibt es oft einmal nicht einmal einen richtigen Zufluss.

Das wird gesammelt und ursprünglich hat man die Teiche eigentlich auch oft dazu gebraucht, dass man die Müllen betrieben hat, die Sägewerke betrieben hat. In Wahrheit hat man sich vor 600 Jahren schon ein Powerbank gebaut. Weil halt quasi das Wasser das wertvolle Gut war, dass man einfach Energie gewonnen hat.

Und die Kaffee, die sind natürlich dann auch reingekommen, weil die hat man ja für die Fastenzeiten vor allem auch gebraucht. Das war aber nie ein billiges Lebensmittel, sondern eigentlich immer relativ hochpreisig. Und da hat man uns sogar letztes Jahr mit dem landwirtschaftlichen Weltkulturerbe von der FAO ausgezeichnet, die Waldviertler Teichwirtschaft.

Das ist eine ganz besondere Auszeichnung eigentlich gewesen. Da gibt es nur 104 Systeme in 29 Ländern weltweit, die diese Auszeichnung gekriegt haben. Warum ist das Waldviertel so besonders? Weil die Tradition schon sehr lange zurückgeht.

Also im Stiftsvetl kann man das fast 900 Jahre nachweisen, das Bestehen der Teiche dort. Und weil sich dieses Wirtschaftssystem, diese Kulturtechnik so erhalten hat. Also weil man es eigentlich nur sehr traditionell bewirtschaftet.

Das hat sich nicht besonders verändert. Was sich verändert hat, ist das Gewand, was die Fischer heute beim Abfischen haben. Weil das ist Gott sei Dank heute das Neopren und gut gefüttert, dass es nicht allzu kalt ist.

Ich glaube, es ist schon frisch im Wasser. Es ist schon frisch im Wasser, genau. Weil die Fischer stehen einen ganzen Tag oft im Wasser.

Also das kann dann schon was. Und die Transportmittel. Weil früher hat man das mit Pferdekutschen transportiert.

Heute macht man das mit dem LKW oder mit dem Traktor. Und die Sauerstoffversorgung, die ist auch gewährleistet. Also es ist einfach echt ein spannender Prozess.

Eigentlich tut man der Natur was Gutes. In dem Fall mit den Menschengemachten. Weil ganz oft wird es ja kritisiert, wenn der Mensch irgendwo eingreift.

Aber in dem Fall entsteht ja ein Ökosystem quasi durch den Menschen und durch das Eingreifen in die Natur sozusagen. Das was ja bis dann runter geht sozusagen noch ins Meer sozusagen. Das Wasser geht ja dann irgendwann mal bis ins Schwarze Meer sozusagen.

Ja, bei uns geht es aber in die Nordsee. In die Nordsee. Ah ja, weil es die andere Seite ist.

Weil es der Wasserscheid ist dann. Ja, ist eigentlich das einzige Ökosystem, was der Mensch geschaffen hat, was nachher wertvoller und artenreicher ist, als es vorher war. Das Einzige? Das Einzige.

Weil jeder Ocker, den man anlegt, also da ist vorher quasi das, was man vorher gerodet hat, war artenreicher. Und beim Teich ist es das Einzige, was dann artenreicher wird. Ein Wahnsinn.

Das ist ja echt ein cooles Ökosystem. Und beim Karpfen ist es ja auch so. Ihr verwendet ja den Karpfen wirklich from nose to tail.

Deswegen bin ich ein bisschen auf Englisch gekommen. Also von der Nase bis zum Schwanz wird der Karpfen verwendet. Wir haben da zum Beispiel vor uns liegen die Karpfenhaut.

Genau. Und da gibt es noch ganz viel mehr Beispiele, oder was mit dem Karpfen alles passiert. Die Karpfenhaut, aus der wird Leder gemacht.

Gibt es einen ganz innovativen Betrieb in der Nähe. Jupitate. Da waren wir übrigens schon zu Gast.

Also eine unserer ersten Podcast-Folgen. Wer da mal reinhören will, immer noch eine sehr oft gehörte Folge von einem Waldviertler, drei Leute. Jupitate.

Da waren wir schon. Fischlederhautverarbeitung. Du hast sogar einen Gürtel, habe ich gesehen.

Genau. Standard Arbeitskleidung. Und jetzt ganz neu, also wir waren komplett überrascht.

Es liegt da vor uns am Tisch. Es gibt Karpfenschokolade. Richtig.

Letztes Jahr haben wir einen Ausflug gemacht auf die Riegersburg mit unserem Team von der Burg Heidenreichstein. Und wenn man auf die Riegersburg fährt in der Steiermark, dann ist der Zotter nicht recht weit weg. Die Firma Zotter.

Da waren wir dann zu Besuch. Und dort habe ich eine Fischkopfschokolade gekostet. Und dann bin ich auf einen Kaffee gegangen und habe mir gedacht, na gut, Fischkopf, das hätten wir eigentlich.

Und aus diesem Geistesblitz ist dann die Idee entstanden, dass wir eigentlich unseren Karpfenfond, weil Karkassen und Köpfe bleiben ja in unserer Produktion eigentlich ziemlich viel über, dass man das eigentlich verwenden könnte, dass man Schokolade daraus macht. Und ihr könnt das jetzt gerne kosten. Ich weiß also, ich hätte mir nie gedacht, dass es Karpfenschokolade gibt.

Also nicht nur die Firma Zotter ist sehr innovativ, sondern in Kombination haben wir das jetzt entwickelt. Und bei einer der ersten Branchen, die ich da in die Steiermark geschickt habe von dem Karpfenfond, weil das hat ein bisschen Entwicklungszeitbedarf, habe ich einen Karpfenkavier mitgeschickt. Das ist nämlich mein innovatives Baby.

Ich mache aus dem Fischroggen, aus den Eiern des Karpfen, einen geräucherten Kaviar. Und ich habe einfach dem Herrn Josef Zotter ein paar Gläser dazu getan, weil ich mir gedacht habe, er soll sehen, was wir sonst noch alles machen. Was macht der Josef Zotter? Er tut sich eine Schokolade.

Ein Karpfenkavier an den Schokoladen. Genau, das ist die zweite Variante. Ich schmecke trotzdem nicht wirklich an Karpfen aus.

Also eine Säure schmeckt man ganz leicht aus, das wird wahrscheinlich dann... Nein, die Karkasse und die Schälen werden extrem ausgekocht. Da wird ein ganz starker Fond davon gekocht. Und das ist eigentlich dann die Gelatine, das Kollagen, das da drin ist.

Und das ist jetzt vergleichbar mit den Gummibärchen, die eigentlich aus Schweineschelatine sind und auch nicht wirklich nach Schwein schmecken. Wobei, der ist schon ein bisschen... Der ist ein bisschen... Da ist ein Kaviar drinnen. Da ist ein Kaviar drin? Ja, da ist der Rauch.

Das merkt man auch. Das ist ein schwerer Job, meine Damen und Herren. Wir verkosten hier Zotter-Schokolade mit Fisch-Kaviar drinnen.

Karpfen-Kaviar. Wenn Sie Lust bekommen, das auch selbst zu erleben. Es gibt die Führungen von der Teichranger-Führerin persönlich.

6.11. bis 8.11. und 13.11. bis 15.11. unbedingt anmelden. Da kann man mit dir so eine Führung hier auf der Burg machen, wo man dann zum Schluss so eine Schokolade kosten darf, oder? Ganz genau. Und ich mache die Führungen nicht allein.

Okay. Ich habe Freunde mit dabei. Da haben wir einen Mönch, also eine, wie sagt man, eine Einhandpuppe, Bauchrednerpuppe.

Eines Mönchs. Eine Handpuppe hat er mit. Das ist der Mönch Eduard, der darf mich begleiten bei diesen Führungen.

Und der ist eigentlich super dazu, dass man erklären kann, wie diese Ablassvorrichtungen funktionieren. Es gibt nämlich nicht nur einen Zapfen, das war die Geschichte mit dem Badewannenstöpsel, sondern auch Mönche, die heißen einfach so. Die heißen eigentlich deswegen so, das sind so Betonbauwerke, die mit Staubrädern abgesperrt sind.

Und die haben früher einen Deckel gehabt. Heute haben sie auch noch einen Deckel, aber das ist normalerweise der Eisendeckel, den man zusperren kann. Und früher haben sie einen Deckel gehabt, der war aus Holz und der hat genauso ausgeschaut wie die Mönchskakute.

Aha, ja, weil der Mönch ja seine Kapuze aufhat sozusagen. So ein Dach halt drauf, genau. Und deswegen heißt der Mönch im Teich auch Mönch.

Und das ist natürlich super zum Erklären, wenn ich meinen Eduard mit habe. Und seither habe ich noch eine Freundin. Also einen zweiten Freund, eine Freundin, ja.

Das ist auch eine Handpuppe, ein Vogel. Ja, das ist der Seeadler. Und das ist die Adelheit.

Der Seeadler, weil den Seeadler, den gibt es bei uns nämlich auch total oft. Das ist eigentlich einer, der sich die Fische aus dem Teich rausholt. Der findet da den Tisch reichlich gedeckt, weil es bei uns einfach so viele Teiche gibt.

Und diese Seeadler, die brüten bei uns total gerne, weil sie auch diese ausladenden Kiefern vorfinden. Und der Seeadler ist ja das Wappentier vom österreichischen Staat sozusagen, oder? Ist das nicht, der Seeadler? Ist ja quasi unser Wappentier sozusagen, der da bei euch brütet. Der größte Vogel, der noch in Österreich lebt.

Das ist für sein Fortbestehen ein ganz wichtiger Bestandteil wieder der Teich. Ja, wir sind da eigentlich die Region, wo wir die höchste Brutpaardichte von diesen Seeadlern haben. Und ihr gebt ihm ein paar Fische ab sozusagen, ein paar Karpfen darf er sich holen? Bleibt uns nichts anderes über, Sache geschützt.

Sehr gut, und wenn wir es gesehen haben, auf der Burg oben ist ja auch ein Storchennest. Hat das auch was damit zu tun, dass die da die Fische kriegen? Nein, der holt jetzt nicht so die Fische, aber der holt seine Beute natürlich auch im Feuchtbiotop. Also die Frischhüter und so kleine Tiere halt.

Also der braucht eigentlich die Teiche und diese Feuchtgebiete auch ganz dringend. Also das passt so gut, dass es bei uns auf der Burg heuer drei Störche gegeben hat als Nachwuchs. Also Birgit, ich nasche noch ein bisschen Schokolade.

Mein Sohnemann, der Leo, ist ja jetzt erst drei Monate alt. Aber wenn er das versteht, dann komme ich auf jeden Fall auf eine Führung zu dir, weil ich mir merke schon, du kannst das wirklich so perfekt erklären. Ich bin total entzückt, was du da alles an Wissen hast und wie spannend das da heroben ist.

Wann kann man denn immer zu dir kommen, außer diesen Führungen, die wir jetzt extra anbieten? Gibt es ja auch unter dem Jahr mal die Möglichkeit? Ja, also gerne einfach Kontakt aufnehmen. Für Schulklassen bieten wir das natürlich auch immer wieder an. Da haben wir sogar in der Zwischenzeit einen Anhänger.

Den haben wir speziell machen lassen dafür, damit wir da unser ganzes Equipment unterbringen. Weil wenn wir zum Teich fahren, dann geht sich das in einem Pkw, das ist eigentlich nicht mehr alles, was man da alles braucht. Ja, Volksschulklassen und Kindergartengruppen müssen wir Schwimmwesten anziehen.

Ist ja klar, ja. Also damit hat das auch einen Standard von Sicherheit. Und für Schulklassen machen wir das auch total gerne.

Weil ich glaube, dass jedes Schulkind im Waldviertel irgendwo seinen Schulweg normalerweise bei einem Teich vorbeiführt. Und damit ist es für mich ganz wichtig und das ist so die nächste Philosophie, dass die Kinder einfach wissen müssen, was sich da drinnen abspielt. Es gibt ja auch ein tolles Karpfen-Package, kann man sagen, vom Waldvierteltourismus.

Die ultimative Karpfen-Experience, wo auch Nächtigung dabei ist und wo es auch einen guten Waldviertler ja natürlich Biokarpfen mit nach Hause gibt. Genau, das sind eh die zwei Termine, die wir vorhin schon gesagt haben. Da sind auch möglich zwei Nächtigungen inklusive Frühstück und ein Abendessen.

Da gibt es natürlich ein Karpfen zum Abendessen, Teichenranger-Führungen im Naturpark Heidenreichstein in dem Moor, ein Karpfen-Kochkurs in der Burg Heidenreichstein, einen Waldviertler ja natürlich Biokarpfen zum mit nach Hause nehmen und Verarbeitung von Fischleder im Handwerkskurs, kann man selber auch noch machen. Also das komplette Package. Ein gutes Stichwort, warum ist euch ja natürlich da so wichtig? Das ist schon seit Jahren ein guter Kooperationspartner.

Die unterstützen uns da recht und natürlich in der Vermarktung auch. Also die sehr großen Betriebe produzieren in Bioqualität und vermarkten einfach da im Waldviertel dann über Jahr natürlich. Der Kochkurs ist übrigens auch da in der Burgküche, da wo wir jetzt gerade sitzen.

Und wir fragen am Ende, liebe Birgit Immernohr, was macht denn für dich das Waldviertel zu seiner schönen Region? Was macht für dich das Waldviertel als Landschaft aus? Die Vielfalt, also dass man da ganz viele Bereiche hat, auf sehr kleinem Raum, auf sehr engem Raum. Wald, Teich, nette kleine Städte und Leute, die eigentlich, wenn man ein bisschen hineinhorcht, ganz umgänglich sind. Ja, das bringt uns zur nächsten Frage.

Und die lautet, was macht eine typische Waldviertlerin, einen typischen Waldviertel aus? Vielleicht jetzt ein Vergleich zum Wiener Menschenschlag, den du kennengelernt hast. Die sind nicht so krantig. Wer jetzt? Die Waldviertler? Die Waldviertler.

Nicht so krantig, aber? Na, vielleicht ein bisschen Wartkager. Aber man muss sich Zeit nehmen für die Waldviertler und Waldviertlerinnen. Dann kommt man auch hinter die Rauschale.

Zeit nehmen muss man sich auch für die ganze Region. Ob sich die Melissa Naschenweng Zeit nimmt, da sind wir gespannt. Am 24.04. sind wir mit ihr gemeinsam in Zwettl in der Stadthalle und dürfen eine Werbung machen.

Kommt gerne vorbei auf einen Karpfen. Und wir freuen uns, dass wir heute bei dir sein dürfen. Und die Schokolade, die nehmen wir uns noch mit.

Passt das, Birgit? Gerne, gerne. Danke. Das war's mit Ein Waldviertler.

Drei Leute. Bis zum nächsten Mal. Tschau.

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