#48 – Gönne dich dir selbst: Pilgern am Bernhardiweg
Shownotes
Einfach losgehen, den Alltag hinter sich lassen und Schritt für Schritt zur Ruhe kommen – genau darum geht es am Bernhardiweg im Waldviertel.
Gemeinsam mit dem Initiator des Bernhardiwegs, Markus Peham, sprechen wir über den 125 Kilometer langen Rundweg, der beeindruckende Natur, kulturelle Schätze und inspirierende Orte rund um die Pfarren des Stifts Zwettl verbindet. Doch was unterscheidet Pilgern eigentlich vom Wandern? Warum ist gerade das Gehen oft der beste Weg, um den Kopf freizubekommen? Und was steckt hinter dem Leitsatz „Gönne dich dir selbst“, der bereits vor über 900 Jahren niedergeschrieben wurde?
Eine Folge über Entschleunigung, neue Perspektiven und einen Weg, der weit mehr ist als nur eine Wanderroute.
Jetzt reinhören und den ersten Schritt Richtung Waldviertel machen!
Mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union. Mehr zum Bernhardiweg: https://www.waldviertel.at/bernhardiweg
Das buchbare Urlaubspackage zum Bernhardiweg: https://www.waldviertel.at/angebote/pilgern-bernhardiweg
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Also beim Weitwandern geht es halt primär wirklich ums Gehen, glaube ich. Beim Pilgern kommt dann halt noch irgendwas als nächster Schritt hinzu und ich merke schon, dass ganz viele Menschen einfach dann sowas machen, wenn sie ein Problem haben, ein Thema haben. Herzlich willkommen zu A Waldviertler Drei Leid, der Waldviertel-Podcast.
Und wir sitzen heute bei einem Bezirkshauptmann. Oh ja, der Bezirkshauptmann des Bezirkes Zwettl, haben wir vorher gar nicht gewusst. Und der Initiator von Bernhardiweg.
Wie grüß dich, Markus Peham. Grüß euch. Servus Markus, grüß dich.
Hey Markus, jetzt sind wir in der 47. Folge Waldviertel-Podcast unterwegs. Als Bezirkshauptmann könntest du uns da schon die Waldviertler Staatsbürgerschaft quasi eintragen.
Wie geht das? Also eine Staatsbürgerschaft fürs Waldviertel werden wir euch nicht geben können, aber ein bisschen müsst ihr euch noch bemühen. Ob der Hundertsten, würde ich sagen, vielleicht eine Ehrennadel für das Waldviertel-Podcast. Eine Ehrennadel, ja das klingt aber echt gut.
Ist es quasi so ein bisschen eine Fichte dabei oder eine Tanne oder was ist das? Fichte, ja stimmt. Da wir jetzt die Ersten sind, ist auch was Besonderes, oder? Ja, das klingt gut, das gefällt mir. Markus, du bist Bezirkshauptmann.
Hat das auch irgendwas mit dem Bernhardi-Weg zu tun, dass du da der Initiator davon bist? Ja, definitiv. Also zum Bezirkshauptmann gehört es aus meiner Sicht auch dazu. Und das ist auch so durchaus geregelt, dass man sich für gewisse Bereiche im Rahmen des Möglichen vor allem auch kulturell einbringen soll.
Und das versuche ich auch, weil es eine persönliche Leidenschaft natürlich ist. Daher ist das ein Projekt, das definitiv aus dieser Rolle auch heraus entstanden ist. Zugleich aber ist natürlich auch mit der Funktion verbunden, dass man mit ganz vielen Menschen Kontakt hat und daher weiß, welche Themen es gibt.
Welche Player sind wichtig für ein Projekt und aus dem heraus hat sich das irgendwie ergeben. Erzähl ein bisschen über diesen Bernhardi-Weg. Das ist ein schöner Pilgerweg im Waldviertel.
Was macht der aus? Wie ist er entstanden jetzt? Fangen wir mal vielleicht so an, wie er ist und vielleicht im Zweiten dann, wie er entstanden ist, weil das durchaus eine interessante Geschichte ist. Also der Bernhardi-Weg selbst hat 125 Kilometer rund, geht durch fünf Gemeinden in zwei Bezirke, von Zwettl über Schweikers, dann nach Weitra, Großschönau und Groß-Gerungs. Und die Story dahinter ist, dass man den Stift Zwettl mit den Stiftspaaren, die in der Region schon verteilt sind, verbinden.
Es ist ein Rundwanderweg, das war mir wichtig, dass man wieder an den Punkt zurückkommen kann, wo man gestartet ist. Das ist, glaube ich, für die Gäste von besonderer Bedeutung. Und am Weg gibt es zum Teil Stempelstationen, das ist ein Thema bei den Kirchen.
Es gibt Themenstationen, die entstehen gerade. Darüber können wir vielleicht noch im Detail besprechen. Das sind die Hard Facts, würde ich sagen.
125 Kilometer, wie lange braucht man da ungefähr? Wie lange geht man da? Je nachdem, wie flott man ist. Also ich bin schon mehrmals in drei da gegangen. Das widerspricht aber dem Motto, gönne dich dir selbst.
Das war eher aus technischen Gründen, weil ich einfach gewisse Daten erheben wollte, Abschnitte tracken wollte. Deswegen war ich flott unterwegs. Wir erzählen es, dass man es in vier, fünf oder sechs Tagen gehen kann.
Vier Tage für die Sportlichen, die braucht man, damit man es sich gönnen kann. Fünf Tage, glaube ich, schaffen es die meisten. Und bei sechs Tagen muss man schon ein bisschen wirtshausaffin sein, damit man den Tag gut umbringt.
Gönne dich dir selbst. Das ist ja ein sehr, sehr spannendes Motto. Was heißt das genau? Dazu gibt es eigentlich eine schöne Geschichte.
Und damit sind wir eigentlich auch bei der Entstehung. In der Konzeptierung sind wir mit Vertretern der Region zusammengesessen, aber mit Vertretern vom Stift Zwettl. Und da war der Pater Bernhard, Pfarrer in Schweikers, ein wesentlicher Faktor.
Und mir war es wichtig, für den Pilgerweg thematische Ausrichtung auch zu haben, die mit einem kurzen Satz eigentlich das widerspiegelt, was man sich darunter vorstellt. Und jeder kennt den H.P. Kerkeling mit »Ich bin da mal weg«. Das ist so der klassische Pilger.
Habe ich natürlich gelesen vor 15, 20 Jahren, wie das Buch herausgekommen ist. Und dieser Satz ist einfach herrlich. Den wollten wir aber nicht kopieren.
Jetzt habe ich zum Pater Bernhard gesagt, gibt es irgendetwas, was thematisch zum H.P. Kerkeling dazu passt und uns da helfen könnte. Und wir haben dann einige Wochen nichts gehört von ihm. Und irgendwann kommt er zu mir und sagt, gönne dich dir selbst.
War das was? Ja, perfekt, hast du super gefunden. War das J.J. Petit oder wo hast du das her? Nein, das hat der H.P. Kerkeling da vor 900 Jahren geschrieben in einem Brief an den Papst Eugen III. Der hätte nämlich selbst Papst werden können oder sollen, wollte es aber nicht und sein Schüler ist dann Papst geworden.
Und dem hat es aber in Vatikan nicht so gut gefallen. Der war da ziemlich gestresst und hat immer einen Briefwechsel mit H.P. Kerkeling gehabt. Und der hat ihm dann geschrieben, pass ein bisschen auf auf dich, lass dich nicht zu viel stressen, nimm dir ein bisschen Zeit für dich, gönne dich dir selbst.
Gönne dich dir selbst. Das ist ja vor 900 Jahren. Das ist eigentlich ein Modewort, gönn dir.
Eigentlich geht es um Selbstfürsorge. Und das sage ich immer, nicht aus einem Egoismus heraus, sondern nur wenn du zu dir selber gut bist, kannst du auch für andere gut sein. Das ist eigentlich die Botschaft, die wir damit verbinden wollen.
Und das ist eigentlich eine sehr schöne Botschaft und sie passt ja total in unsere Zeit, wo wir immer im Hamsterrad unterwegs sind. Pilgern ist ja jetzt gerade ganz modern. Du erwähnst auch die Pfarren.
Ist Pilgern zwingend etwas Religiöses? Muss man religiös sein, dass man pilgern kann? Oder ist es gut, wenn man religiös ist? Wie funktioniert das? Eigentlich hast du die Antwort gerade geliefert. Es ist gut. Es hilft sicher, die Themen auch aufzusorgen.
Gleichzeitig ist es aber keine essenzielle Voraussetzung aus meiner Sicht. Und wenn man unterwegs ist, merkt man das auch für vieles. Einfach nur gehen.
Und wir haben auch versucht, bei den Stationen die Botschaften für jedes Zielpublikum zu machen. Das heißt, es startet meistens mit einem Thema, das für jeden was hergibt. Zum Beispiel Gipfel der Vision.
Und dann geht es eigentlich erst einen nächsten Schritt in die Tiefe, wo ein Stationsheiliger zum Thema dazukommt, wo der heilige Bernhard ein Zitat dazu liefert und wo es Reflexionsfragen gibt, die aber auch für jeden, auch wenn man jetzt nicht den religiösen Background hat, glaube ich, was hergeben. Das war schon die Idee. Aber natürlich, wenn man das Ganze mit dem religiösen Blickwinkel auch geht, hat es sicher auch einen Mehrwert.
Jetzt kommt der Bernhardiweg eben vom heiligen Bernhard, über den wir jetzt schon gesprochen haben. Warum habt ihr den heiligen Bernhard genau gewählt? Und was hat er gemacht, dass er heilig geworden ist? Sorry, wir nicht wissen über den heiligen Bernhard. Der heilige Bernhard ist insofern eigentlich aufgelegt gewesen, weil so ein Weg braucht einen markanten Namen.
Und mir war es von Beginn weg klar, ich würde gerne einen heiligen damit verbinden. Daher ist der Bernhardiweg entstanden. Im Waldviertel war mir wichtig, damit man sofort weiß, das ist im Waldviertel, das verbindet man nämlich auch wieder mit dem Gönne dich dir selbst.
Also sofort Waldviertel, Ruhe. Und der heilige Bernhard ist eigentlich der wesentliche Ordensheilige der Zisterzienser. Und in Zwettl haben wir Zisterzienserstift.
Und von dem ist eigentlich das alles ausgegangen. Er ist eigentlich schuld, dass es das Stift Zwettl am Ende gibt, in der Form als Zisterzienserstift. Und daher war es einfach aufgelegt, den heiligen Bernhard als Namensgebenden zu nehmen.
Und Bernhardiweg ist dann deswegen entstanden, weil es in Zwettl die Tradition gibt, im August zum Fest des heiligen Bernhard einen Bernhardi-Kirtag zu machen. Und damit haben wir auch etwas Exklusives, das kann vielleicht in Bayern auch mal ein Bernhardweg entstehen oder ein Bernhardusweg. Aber den Bernhardiweg im Waldviertel, den gibt es nur bei uns.
Ich habe mir gedacht, weil in Österreich immerhin alles ein Y kriegt. Kali kippt sich. Nein, das war es nicht.
Der Bernhardi-Kirtag war eigentlich die Idee, den Bernhardi in den Weg zu übernehmen. Und was hat der heilige Bernhard gemacht, dass er heilig gesprochen worden ist? Eigentlich, was ich gesagt habe, nämlich den Zisterzienserorden zwar nicht gegründet, aber letztendlich in die Breite getragen. Er war Berater von Päpsten, war ein großer Theologe, viele Schriften verfasst.
Und eben aus diesen Schriften stammt dieses Zitat »Gönne dich dir selbst«. Und es gibt viele weitere Zitate, die wir auf die Themenstationen dann auch wiedergeben. Jetzt nehmen wir uns ein bisschen mit auf die Reise.
Wie funktioniert so eine Pilgerin? Ich habe das überhaupt noch nie gemacht. Diese vier Nächte, diese fünf Tage, je nachdem wie man sie ausrichtet, wie geht das? Wie funktioniert das auch technisch? Wo geht man los? Hat man dann das Hotel immer genau am Abend? Wie geht sich das aus? Es ist sehr individuell. Und da gibt es einfach ganz viele unterschiedliche Zugänge.
Es gibt Menschen, die wollen lieber an einem Ort schlafen, wollen dann geshuttelt werden, wollen das genießen. Das ist, soweit die Studien uns das sagen, sogar die Mehrheit. Und dann gibt es Menschen, so wie mich, die eher den Rucksack packen, so weit gehen, wie sie kommen und dort schlafen und dann weitergehen.
Also da gibt es unterschiedliches Zielpublikum. Davon hängt es einmal ab, wie man es gehen möchte. Starten offiziell im Stift Zwettl, wobei man an jedem Punkt der Strecke starten kann, weil es ein Rundweg ist.
Das heißt, man kann auch hinaus in Weitra, in Groß-Gerungs, in Großschönau, den Schweigers starten. Das ist alles kein Problem. Man stellt das Auto hin und im Idealfall macht man sich vorher ein bisschen Gedanken, wo man schlafen will.
Wir haben da schon gute Erfahrungen mittlerweile. Das geht sich schön aus mit gewissen Etappenlängen. Und wir haben, es wird immer gern geschimpft, dass die Gastro weniger wird.
Aber wir sind da eigentlich, bei uns in der Region, wenn ich mal andere Wege im Vergleich habe, schon extrem gut aufgestellt. Es gibt Abschnitte, wo es sicher ein bisschen schwieriger ist. Aber insgesamt, ich denke jetzt an Zwettl selbst, an Weitra, an Groß-Gerungs, an die großen Orte, da ist gute Infrastruktur zum Nächtigen.
Aber auch am Weg, wenn ich an Jagenbach denke, zum Beispiel, an Groß-Schönau, da gibt es Möglichkeiten. Und wenn man gut plant, ist alles gut machbar. Was erwartet einen so landschaftlich und abenteuertechnisch? Was sind so von der Stimmung her diese Etappen? Was ich sehr spannend finde, ist, dass man eigentlich die wesentlichen Flüsse des Waldviertels alle begegnet.
Man startet vom Stiftjahr weg Richtung Schweikers, und in Schweikers ist der Thayaursprung. Man geht da den ersten Kilometern der Thaya entlang eigentlich dem Ursprung entgegen, was ich sehr spannend finde. Dann überschreitet man beim Jahrtausendlebensturm die Wasserscheide.
Die Europäische Wasserscheide ist doch was Besonderes. Dort entscheidet sich, ob das Wasser in den Nordsee oder ins Schwarze Meer fließt. In Weitra kratzt man ein bisschen die Lainsitz.
Und weiter dann Richtung Groß Gerungs kommt man in das Zwetteltal. Und Richtung Zwettl rein dann eigentlich noch einen wunderschönen Abschnitt im Kamptal. Also das finde ich eigentlich sehr besonders, dass man den Flüssen, die das Waldviertel prägen, alle begegnet und ganz viel Abschnitt da entlang gehen kann.
Und das ist sehr schön. Und ein paar Höhenmeter nimmt man auch mit, oder? Ja, Höhenmeter nimmt man auch mit. Der Johannesberg in meiner Heimatgemeinde in Groschen ist der höchste Punkt.
Da sind wir über 800 Meter. Mit Gipfelkreuz, das Erlebnis ist schön. Es ist jetzt für einen Bergfex vielleicht nicht die größte Herausforderung.
Aber das letzte Stück ist zumindest ein bisschen steil. Und wie gesagt, man hat oben eine Kirche und ein Gipfelkreuz. Also auch das ist dabei.
Und was sind so die schönsten Stationen am Weg? Nimm uns noch mit. Du hast es vorher ganz am Anfang schon kurz erwähnt. Die Stationen zum Teil entstehen ja erst, weil der Bernhardiweg ja noch ganz jung ist.
Aber was sind so Fixpunkte, die man sich auf jeden Fall unbedingt anschauen muss am Weg? Wir haben die Themenstationen ganz bewusst an Orte gesetzt, wo jetzt schon eine Infrastruktur da ist. Ich wollte nichts Neues erfinden. Es gilt generell für den Weg.
Wir haben auch bestehende Wanderwege genommen, die wir verbinden. Insofern ist es eigentlich eine Kumulierung bestehender Wanderwege mit einer Geschichte. Und an die Orte ist zum Beispiel sicher schöner der Jahrtausendlebensturm bei Siebenlinden, wo Aussichtsturm ist, wo man wirklich weit ins Land reinschauen kann.
Auch Südböhmen rüber einiges sieht. Es sind Städte dabei, wie Weitra zum Beispiel, eine Perle im Waldviertel. Aber wie gesagt, diese Flussabschnitte, die finde ich einfach herrlich.
Gerade, wenn man in Tagen wie diesen, wo es richtig warm draußen ist, geht. Man geht dort im Wasser entlang, kann einmal die Füße reinhängen lassen. Das ist eigentlich etwas Besonderes.
Ganz schön finde ich vor allem auch, dann eher schon Richtung Ziel, das Ensemble vom Schloss Rosenau zum Beispiel. Das kennt auch nicht jeder. Das Schloss Rosenau ist, finde ich, eine der schönsten Schlossanlagen, die wir in diesem Land haben.
Das klingt ja alles richtig super, richtig inspirierend. Ich würde am liebsten gleich loslegen mit dem Weg. Wenn ihr Zeit habt, gehe ich mit euch.
Dann müssen wir schnell gehen wahrscheinlich. Und du hast es natürlich auch gemacht, weil du selber ein begeisterter Wanderer bist. Was macht denn das Wandern aus? Oder das Pilgern eigentlich? Das muss man wirklich unterscheiden.
Das Wandern ist ja eher etwas Punktuelles. Und ich bin wirklich die letzten Jahre ganz viel in die Berge unterwegs gewesen. Ich liebe es, auf einem Gipfel oben zu sitzen, einfach in die Natur rauszuschauen, die Ruhe.
Pilgern ist dann doch ein etwas längerer Prozess. Und da ist auch nicht so viel Unterschied zum Weitwandern. Da ist es eher die innere Einstellung, die dann noch dazukommt.
Und ich habe selbst jetzt vor wenigen Wochen erst eine ganz interessante Erfahrung gemacht, weil ich im Juni zwei Wochen in Italien unterwegs war, den Franziskusweg von Florenz nach Assisi. Und da habe ich zum ersten Mal selbst diese längere Pilger-Erfahrung gemacht. Und das Schönste ist eigentlich, das hört sich jetzt komisch an, es sind nicht unbedingt Sehenswürdigkeiten, Orte, sondern es sind die Begegnungen mit den Menschen am Weg.
Das ist eigentlich das Interessante. Also das ist das, was bleibt. Da kann ich jetzt noch ganz viele Geschichten erzählen mit wem ich wo geredet habe, wer wo gastfreundlich war, welche Menschen man einfach kennenlernt.
Und das ist eigentlich aus meiner Sicht, auf so einem Weg, wo man länger unterwegs ist, das Highlight. Und was ist jetzt so das Zielpublikum, würdest du sagen? Wer sollte denn bei einem HD-Weg gehen? Wen wollt ihr auch konkret ansprechen mit so einem Angebot? Ich glaube, dass es mittlerweile so in der Breite angekommen ist, das Thema, dass man gar nicht so auf das Zielpublikum fokussieren kann. Es sind natürlich Pensionistengruppen unterwegs, genauso wie Menschen, die nach der Arbeit einfach ein paar Etappen gehen.
Ich habe letztens erst eine Truppe getroffen, die gehen jede Woche einen Tag nach der Arbeit. Abends um vier treffen sie viele Freundinnen und gehen, soweit sie kommen. Und die Woche darauf machen sie weiter.
Und irgendwann nach 15, 20 Etappen werden sie die Runde fertig haben. Was ich aber schon merke, und das ist extrem auffällig beim Wandern, aber vor allem beim Weitwandern, sind Gruppen mit jüngeren Damen. Also wirklich vier, fünf, sechs Freundinnen, die gemeinsam ein paar Tage Auszeit machen und da beim Gehen zum Quatschen kommen.
Das ist extrem auffällig, dass das eigentlich ein Zielpublikum ist, das wirklich viel unterwegs ist. Du hast ja gemeint, dass der Weitwandern, Pilgern, es geht um die Herangehensweise, wo der Unterschied ist. Was ist das für eine Herangehensweise, die du meinst? Geht es darum, dass man sich am Anfang ein Ziel setzt oder mit einem gewissen Bewusstsein weggeht? Oder sich eben kein Ziel setzt? Also beim Weitwandern geht es halt primär wirklich ums Gehen, glaube ich.
Beim Pilgern kommt dann halt noch irgendwas als nächster Schritt hinzu. Und ich merke schon, dass ganz viele Menschen einfach dann so etwas machen, wenn sie ein Problem haben, ein Thema haben. Also Jobveränderung, Beziehungsveränderung, irgendwelche Lebenskrisen.
Das ist oft ein Anlass dafür, dass man sich so Auszeit nimmt und einmal ein paar Tage braucht einfach, wo man geht und nachdenkt. Das ist der eine Punkt. Das andere ist jetzt aus der persönlichen Erfahrung wieder, die ich zuletzt gemacht habe.
Das Schönste an dem Ganzen ist eigentlich die Lehre, die entsteht. Man ist ja oft so in diesem Hamsterrad unterwegs, tausend Gedanken zugleich. Und wenn du da gehst, am zweiten, dritten, vierten Tag auf einmal wird der Kopf im positiven Sinne leer.
Es beschäftigt dann nicht mehr so viel, was es sonst beschäftigt. Und das ist ein richtig gutes Gefühl. Kannst du das auch jetzt irgendwie so von deiner Bucketlist streichen? Hast du damit auch ein neues Bezirk gehabt? Einen Wanderweg machen? Das ist ja wahrscheinlich ein spannender Prozess, oder? Dass man sagt, wie geht man an das ran? Dass man sagt, jetzt setze ich mir zum Ziel, wir machen einen Wanderweg an Neichen.
Das ist auch keine einfache Entscheidung wahrscheinlich, oder? Und streichst du das jetzt dann von der Bucketlist? Ich glaube, das kann ich insofern nicht streichen, weil man das Projekt noch lange verfolgen wird. Da sind nur so viele Ideen da. Und ich glaube, dass das wirklich für die Region noch etwas sehr Positives werden kann, das man hoffentlich auch in zehn, zwanzig Jahren noch gut gespürt.
Und da möchte ich schon dranbleiben. Und der ist ja jetzt auch beschildert worden, oder? Wie schauen die Schüler aus? Wie erkennt man den Bernhardeweg dann? Haben die eine besondere Farbe, ein besonderes Aussehen? Ja, das ist eine Rosette mit bunten Blättern. Und Bernhardiweg im Waldviertel steht drauf.
Also eigentlich ein sehr markantes, schönes Symbol, das mittlerweile hundertfach in der Region sichtbar ist. Cool. Und du hast diesen Stempelpass angesprochen.
Wie funktioniert das? Genau, da gibt es einen Stempelpass. Den kann man an die Stempelstellen holen. Der hat auch die Form der Rosette.
Und bei jeder der Kirchen und beim Stift Zwettl gibt es einen eigenen Stempel, der genau dafür gemacht wurde. Und genau, mit dem ist man unterwegs. Und das wird motivieren, auch alle Ziele zu erreichen.
Ja, der hängt einfach draußen und den kann ich mir jederzeit auf den Stempel nehmen. Das sind so Holzboxen, die bei den Kirchen sind. Wir haben das auf unserer Homepage, beim bernhardiweg.at auch beschrieben, wo die zu finden sind.
Und eigentlich eh sehr markant vor die Kirchen aufgestellt. Und da gibt es dann immer den Stempel und auch Pässe, wenn man dort startet, sind drinnen. Cool.
Ich glaube, was noch ganz wichtig zu sagen ist, dass es quasi auch das Package vom Waldviertel-Tourismus natürlich gibt, dass man diesen Weg buchen kann. Mit Frühstücksbuffet, mit regionalen und biologischen Produkten. Dass es Jausenpakete gibt, die man mitnehmen kann.
Und ganz wichtig, wie wir vorhin schon gesagt haben, dass man Abholung und Transfer zu den jeweiligen Etappen hat. Sei es von einem Hotel aus oder von den Hotels, wo man dann jeweils am Weg schläft. Ich glaube, das ist ganz wichtig.
Das heißt, wer sich interessiert dafür, dass er diesen Weg geht, schaut gerne auf www.waldviertel.at/bernhardiweg und da findet ihr dann alle Infos zum Buchen. Das ist schon ein super Service mit Abholung und Transfer. Ja, voll.
Am Ende von unserer Folge fragen wir immer noch ein bisschen, was macht für dich das Waldviertel aus? Was ist die Region für dich? Wie geht es dir, wenn du ans Waldviertel denkst? Spannende Frage. Ich bin ein gebürtiger Mostviertler. Ah, okay.
Ein „Zugezogener“. Aber jetzt auch bald 20 Jahre da.
Und ja, das Waldviertel ist für mich ein Ort, der Ruhe ausstrahlt, der irre viel Potenzial hat, wo man noch lange nicht alles abgehalten hat. Und wo ich hoffe, dass wir einfach alle mit dem, wie wir da arbeiten, einen guten Beitrag dazu leisten können, dass diese Entwicklung einfach, diese positive, die ich da sehe, auch wirklich weitergeht. Also eine sehr tolle Region.
Und wie gesagt, als „Zuagroaßter“ darf ich das sagen, ich fühle mich da sehr wohl. Cool. Und auch spannende Frage gerade aus „Zuagroaßter“.
Was macht für dich so eine richtige Waldviertlerin, einen richtigen Waldviertler aus als Mensch? Einen richtigen Waldviertler? Eine spannende Frage. Ja, eine gewisse Hartnäckigkeit, glaube ich, gehört dazu. Aber auch im positiven Sinne.
Ich glaube, der Waldviertler ist schon jemand, der eine Meinung hat und die er dann vertritt. Die Waldviertler sind ja Leute, die anpacken. Und das merkt man gerade bei so einem Projekt wie beim Bernhadiweg.
Es braucht jemanden, der eine Idee hat, aber es braucht natürlich viele Leute, die da mitarbeiten und das Umsetzen. Und da möchte ich auch die Gelegenheit nutzen, Danke zu sagen. Da gibt es den Bürgermeister Josef Schaden aus Schweiggers, der der Obmann des Vereins, der Freund dieser Zisterzienser Stift Zwettl.
Das ist der, der letztendlich das Ganze trägtt. Es gibt die Bürgermeister in der Region, die da alle uns unterstützen. Aber es gibt auch ganz viele weitere engagierte Menschen, auch der Stift Zwettl natürlich.
Und nur so kann so ein Projekt da wirklich entstehen. Und das ist schon etwas, wo ich sage, das ist eine typische Waldviertler Eigenschaft. Wenn da ein gutes Projekt da ist, dann machen wir das, dann merkt man, dann wird das was.
Cool. Ein Waldviertler, drei Leute heißt es nicht umsonst. Da ist schon etwas dahinter, das hören und spüren wir immer mehr.
Und wir laden euch ein. Geht's denn beim Bernhardiweg. Alle Infos auf www.waldviertel.at/bernhardiweg. Viel Spaß beim Pilgern. Gönne dich dir selbst.
Ein Waldviertler, drei Leute. Danke Markus für den super Einstieg in das Pilgern für uns. Sehr gerne.
Und wie gesagt, herzliche Einladung. Wir kommen noch einmal vorbei. Danke.
Pfiat euch. Ein Waldviertler, drei Leute. Der Waldviertel-Podcast.
Wir sagen ein großes Dankeschön an Bund, Land und Europäische Union für die Unterstützung unseres Podcasts.
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