#47 – Perlmutt: Schimmernde Handwerkskunst aus dem Waldviertel

Shownotes

Wie funktioniert es, dass aus einer Muschel ein Knopf, ein Schmuckstück oder sogar die Ausstattung eines Privatjets wird?

In dieser Folge besuchen wir die Erlebnis Perlmutt Manufaktur in Felling bei Hardegg und sprechen mit Rainer Mattejka über eines der seltensten Handwerke Europas. Gemeinsam tauchen wir ein in die faszinierende Welt des Perlmutts, erfahren, warum eine Muschel bis zu 15 Jahre wachsen muss, bevor sie verarbeitet werden kann, und weshalb dieses traditionsreiche Handwerk, das es so in Österreich nirgendwo sonst gibt, heute international gefragt ist.

Wie schafft es ein Familienbetrieb in fünfter Generation, altes Handwerk mit modernster Technik zu verbinden? Was macht Perlmutt zu einem so besonderen Material? Und warum entstehen aus den Resten der Produktion bereits die Ideen von morgen?

Jetzt reinhören und die irisierende Welt des Waldviertler Handwerks entdecken!

Mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union. Mehr zur Erlebnis Perlmutt Manufaktur: https://www.waldviertel.at/ausflug-freizeit/rm-perlmuttdesign-gmbh-2

Alle Partner der Initiative Handwerk & Manufaktur im Waldviertel: https://www.waldviertel.at/handwerk-erleben

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Man muss sich das vorstellen, so eine Muschel wächst 13 bis 15 Jahre, bis die ausgewachsen ist. Wahnsinn! Das wächst eigentlich in Körben, wird gezüchtet wie viele andere Sachen. Wenn das Tier tot ist, dann wird der Muschel geerntet, vorher nicht.

Ja, das ist auch ganz wichtig„A Woidviertler, drei Leit“. Der Waldviertel-Podcast.

Grüß euch und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von „A Woidviertler, drei Leit“ - der Waldviertel-Podcast. Und heute sitzen wir im obersten Waldviertel.

Als wir hergefahren sind, haben wir geglaubt, wir sind eigentlich schon lange durch Tschechien durch. Aber es ist noch das Waldviertel. Und wir sitzen bei der Erlebnis Perlmutt Manufaktur.

Gegenüber sitzt uns der Inhaber und der Chef persönlich, nämlich Rainer Matejka. Grüß dich. Grüß euch.

Servus Rainer. Fesch habt ihr es da. Das ist die kleine und einfach die kleinste Stadt Österreichs, haben wir gehört.

Ja, genau. Hardegg. Sechs Kilometer entfernt.

Das stimmt, ja. Du hast mir zuerst schon gesagt, wie viele Einwohner hat Hardegg? Hardegg hat 87 Einwohner. Und ist eine Stadt.

Ist eine Stadt, ja. Seit über 700 Jahren. Sehr geil.

Unglaublich. Wir lernen echt jedes Mal wieder was Neues. Und heute lernen wir alles über Perlmutt kennen.

Erzähl uns einmal, Perlmutt Manufaktur, was macht ihr und was ist Perlmutt eigentlich? Weil viel wird das gar nicht der Begriff sein. Also Perlmutt sind eigentlich Muscheln und Schnecken, die wir verarbeiten. Perlmutt ist eigentlich Calciumcarbonat.

Ist eigentlich eine reine Kalkschicht mit Millionen von Kristallen. Deswegen hat es ja so die Farbe und schimmert ja so. Aber auch die Härte.

Und wir verarbeiten das eigentlich seit 1911. Wahnsinn. Also du bist in fünfter Generation, führst die Firma quasi Familienbetrieb und ihr feiert dieses Jahr, nächstes Jahr 115-jähriges Jubiläum.

Genau, wir haben heuer unser 115-jähriges Firmenjubiläum. Wie du gesagt hast, in fünfter Generation dürfen wir das machen. Mein Ur-Ur-Großvater hat eigentlich mit dem Handwerk begonnen.

Jetzt erzähl einmal, Perlmutt, wo kommt das eigentlich her? Wo kriegt ihr eigentlich den Rohstoff her und wie kommt das zu euch ins Waldviertel? Wenn ich kurz zurückgreifen darf, warum wir eigentlich überhaupt da angesiedelt sind. Das ist die Nähe zu Hardegg, zur kleinsten Stadt Österreichs. Da fließt ja die Thaya durch.

Und von dort haben wir eigentlich früher die Thayamuschel verarbeitet. Deswegen ist unser Betrieb da angesiedelt. Heute ist es so, heute wird unser Material alles importiert aus Indonesien, Australien, Neuseeland.

Wir verarbeiten da so ungefähr 20, 22 Tonnen im Jahr. Und machen halt viele, viele schöne Sachen daraus. Warum nehmt ihr jetzt nicht mehr die aus der Thaya? Weil es zu wenig sind, also es wird sich nicht ausgeben von Bedarf her, oder was? Die Thaya war schon sehr reich an Muscheln früher.

1930 ist in Tschechien ein Kraftwerk gebaut worden. Das Wasser war zu warm? Nein, zu kalt war es eigentlich. Das hat eine komplette Wasserveränderung gebracht.

Das gibt es nicht. Und durch die Veränderung gibt es heute wirklich keine Muschel mehr in Hardegg in der Thaya. Weil vor dem Stausee gibt es schon noch welche.

Aber die sind alle geschützt und das ist auch gut so. Was ist das jetzt für spezielle Muschel, dass man Perlmutt kriegt? Und was ist es? Die ganze Schale von der Muschel sozusagen? Genau. Unser Material, es wird eigentlich alles gezüchtet.

Man muss sich das vorstellen, so eine Muschel wächst 13 bis 15 Jahre, bis sie ausgewachsen ist. Wahnsinn. Das wächst eigentlich in Körben, wird gezüchtet wie viele andere Sachen.

Wenn das Tier tot ist, dann wird die Muschel geerntet. Vorher nicht, das ist auch ganz wichtig. Das heißt, die Muschel wird auch gar nicht gegessen? Nein, weil man sieht das ja nicht.

Das liegt ja in Körben drinnen und das kann ja schon eine Woche tot sein. Weil die Körbe kommen ja nicht jeden Tag raus, weil immer andere Körbe genommen werden zum Reinigen. Und wenn halt der Korb da ist, dann wird das auch rausgenommen.

Und wenn die Muschel offen ist, dann sehen die auch, das Tier ist tot. Und so wird das halt dann geerntet. Aber was, die Körbe werden ja nicht 10 Jahre unter Wasser liegen? Nein, die liegen 15 Jahre unter Wasser, werden aber eigentlich täglich immer rausgenommen.

Aber halt immer andere Körbe, da gibt es ja zigtausende an Körben. Man muss sich vorstellen, in der Farm, wo wir einkaufen, werden ungefähr pro Jahr 100 Tonnen Muscheln gezüchtet. Unglaublich.

Und wie kommen die immer nach? Vermehren sich die einfach so gut? Nein, die werden auch immer nachgesetzt. Der Plankton wird auch immer wieder nachgesetzt und so wird das halt dann gezüchtet. Unglaublich.

Aber das ist quasi, muss man echt schon sagen, ein sehr teurer und ein sehr edler und sehr schöner Rohstoff, weil man was einmal 15 Jahre lang wachsen muss, dass ihr es sich dann verarbeiten könnt. Das hat schon einen Wert. Also auf jeden Fall, es ist eigentlich schon sehr teuer, wird auch natürlich immer teurer.

Es ist ja sehr viel Arbeit, die Zucht. Und früher, sage ich jetzt einmal, vor 20 Jahren, vor dem Tsunami, wir können uns vielleicht alle noch auf den Tsunami erinnern, gerade in Indonesien, wir haben vor dem Tsunami ca. 9 Dollar für ein Kilo Material bezahlt.

Das ist zwar schon 20 Jahre her jetzt, aber wir sind heute bei 80 Dollar für ein Kilo. Also man sieht da schon, es hat dann jahrelang wenig Material gegeben, weil viele Farmen zerstört worden sind. Viele haben gar nicht weiter gemacht, viele haben überhaupt dann aufgehört.

Und ja, man darf nicht vergessen, es gibt nur drei Betriebe in Europa, die so das Perlmutt verarbeiten, wie es wir machen. Und ja, da hat sich natürlich schon viel aufgehört auch. Und in Österreich sind wir ja quasi die einzigen und letzten, die es gibt.

Warum ist das so? Geht es um die Nachfrage, geht es darum, dass es so teuer ist, dass so ein besonderes Handwerk dahintersteckt? Oder was ist so der Grund? Also das stimmt, wir sind der letzte Betrieb in Österreich, der jetzt noch Perlmutt verarbeitet. Ich glaube, es hat sich einfach schon so aufgehört trotzdem alles. Wir dürfen importieren seit 1953.

Es hat dann vorher Schwierigkeiten schon gegeben in der Thaya, weil der Stausee ist ja auch schon 1930 gebaut worden. Es hat dann auch viel weniger Material gegeben. Und wo es natürlich ausschlaggebend war, dass viele Betriebe gesperrt haben, war der Plastikknopf.

Es hat früher ja nur Knöpfe aus Naturmaterialien gegeben. Und dann ist halt irgendwann einmal der Kunststoffknopf gekommen und der hat dann wirklich viel verdrängt. Und er hat ja den selben Zweck erfüllt und hat aber nichts gekostet.

Und gerade in der Zeit früher, wo die Leute gespart haben oder sparen mussten, ist halt dann schon viel der Plastikknopf gekauft worden. Und der Perlmuttknopf oder der Naturknopf ist halt dann immer weniger und weniger geworden.

Wir sind ja durchgegangen vorhin schon durch die Ausstellung. Ihr habt ja ganz viele Schmuckstücke auch etc. Aber das Haupthandwerk sozusagen ist quasi immer noch der Knopf. Das, was das meiste ist, was produziert, oder? Nein, eigentlich jetzt nicht mehr so.

Das hat sich eigentlich mit Corona ein bisschen verlagert. Vor Corona haben wir wirklich das beste Jahr gehabt bei der Knopfproduktion. Wir haben in dem Jahr, glaube ich, über 9 Millionen Knöpfe produziert.

Also für unseren kleinen Betrieb war das wirklich ein Wahnsinn. Nein, es hat sich schon auch verlagert. Also Schmuck wird immer mehr, wird immer ein größeres Thema bei uns.

Wir machen aber auch viel für Musikinstrumente. Für Trompeten, die Drücker oder für Gitarren. Wir machen ja auch für Bösendorfer die Schriftzüge für die Klaviere.

Aber der wichtigste Bereich bei uns ist mittlerweile eigentlich der Luxusbereich. Wir machen Perlmutt-Teile für Privatjets, für Luxusjachten, für Holzfliesen, für Wände.

Eigentlich für alles. Man kann sich wirklich nicht vorstellen, wo du überall Perlmutt verwenden kannst.

Und jetzt, Rainer, erklär mir das einmal.

Wie funktioniert das? Mahlt ihr dann die Muschel und presst dann den Knopf draus? Oder schneidet ihr den Knopf aus der ganzen Muschel aus? Oder wie funktioniert das technisch gesehen? Wie verarbeitet ihr das? Das funktioniert so, die Muschel oder die Schnecke wird eh ganz gleich verarbeitet. Das heißt, der Rohling wird ausgebohrt. Das wird nach wie vor händisch gemacht.

Aus der Muschel direkt? Aus der Muschel oder aus der Schnecke wird das ausgebohrt. Dann wird der Rohling geschliffen. Verschiedene Dicken, wie du es dann brauchst.

Ist aber auch bei der Schmuckproduktion so. Wir arbeiten ja sehr viel mit Laser. Die Schmuckstücke werden dann vom Rohling ausgeschnitten mit Laser.

Dann wird der Rohling nachgeschliffen auf eine Dicke. Dann wird er fassoniert. Dann werden Löcher reingemacht.

Dann wird er vielleicht noch gelasert. Weil viele wollen einen Namen haben oder ein Logo. Das ist schon richtig viel Arbeit, was da dahintersteckt.

Was braucht man da eigentlich für einen Beruf, dass man so einen Perlmutt bearbeiten kann? Der Beruf ist ja nicht mehr zum Erlernen. Weil wir ja der letzte Betrieb in Österreich sind. Du wirst bei uns eigentlich auch gelernt.

Eine Berufserfahrung brauchst du gar nicht. Du brauchst vielleicht ein bisschen Ahnung mit dem Computer. Aber im Endeffekt, du musst nur wollen.

Und alles, was man will, das funktioniert dann auch gut. Und so ist es bei uns eigentlich auch. Ja, cool.

Wahre Worte. Jetzt hast du gesagt, das Material wird immer öfter für Luxusobjekte angefragt. Was macht das Material so besonders und so einzigartig? Das Perlmutt, die weiße Scheune oder Schale, die Muschel, ist wirklich sehr edel.

Weil es total irisierend ist. Ihr habt es vielleicht sogar schon einmal gesehen. Irgendwo einmal so schöne Uhren, wo das Uhrenziffernblatt zum Beispiel auch aus Perlmutt gemacht worden ist.

Und da siehst du schon das Irisierende. Und genauso kommt es dann wirklich auch auf die Wände, wo du einfach eine weiße Wand hast. Und wenn die Sonne einmal so hinscheint oder das Licht einmal so, einmal rötlich, grünlich.

Es ist einfach vom Glanz her so edel. Ich freue mich echt, dass ich mit dem Material arbeiten darf. Und neben der Schönheit ist es ja auch eher hart, oder? Es hat eine sehr große Härte.

Ja, Perlmutt hat eigentlich die Härte 4. Vielleicht, damit man sich das ein bisschen vorstellen kann. Marmor hat die Härte 3. Also es ist weicher als Perlmutt. Wir arbeiten da natürlich mit Diamantwerkzeugen.

Wie gesagt, mit Laser sehr viel. Es ist sehr hart und auch brüchig. Also bei der Verarbeitung kann man nicht einfach irgendwas schnell, schnell, schnell machen.

Es muss gut überlegt sein, dass da wirklich nichts ausreißt und nichts bricht. Nichts splittert. Ja, genau.

Aber es ist super zum Verarbeiten. Wie weit geht da die Skala leicht von 1 bis 3 Härte? Ich glaube, Granit hat die Härte 6. Ich glaube, die Härte 6. Ich weiß jetzt nicht, was da noch für. Aber ich glaube, Granit hat die Härte 6. Und Granit ist ja wirklich schon sehr hart.

Rainer, wenn man sich für sowas jetzt interessiert, kann man da bei euch einmal vorbeikommen und sich das Ganze einmal anschauen? Oder wie funktioniert das? Ja, wir bieten ja auch Führungen an. Also wir haben ja vier Führungen täglich. Und wir zeigen da wirklich alles her.

Unser Betrieb, kann man überall reinschauen, auch in die Produktion. Es wird alles über die Geschichte erzählt. Ich habe ja vorher gesagt, 115-jähriges Jubiläum.

Da kann man schon ein bisschen was erzählen, auch von früher her. Und ja, einfach vorbeikommen. Ihr werdet sehen, es wird euch gefallen.

Wenn du jetzt aber so viel mit Perlmutt umgeben bist, wie schaut dein Zuhause aus? Hast du da ganz viel Perlmutt-Gegenstände? Nein, auf die Wände haben wir es eigentlich nicht. Man hat überlegt einmal, ob wir auch was machen. Wo hat man am wenigsten Zeit? Das ist ja immer daheim.

Da tust du sowieso immer am wenigsten. Aber nein, wir haben schon ein paar Kunstgegenstände. Wir haben zum Beispiel einmal so einen ganz großen Globus gemacht aus Perlmutt. So ein Einzelstück. Das haben wir halt dann daheim am Kachelofen stehen. Also solche Sachen.

Was ist so das Skurrilste, was du jemals gemacht hast? Wie wir hier hergekommen sind, haben wir ja ziemlich was Kleines gesehen draußen im Garten. Ist das schon das Skurrilste, was du jemals gemacht hast? Du meinst sicher jetzt unseren kleinen Perlmutt-Knopf mit 5,35 Meter Durchmesser. Der weltgrößte Perlmutt-Knopf, oder? Ja, das ist der größte Perlmutt-Knopf der Welt.

Das ist eh eigentlich schon Skurril genug, dass wir sowas da überhaupt her machen. Wir haben schon so viele tolle Sachen gemacht. Wände aus Perlmutt auch.

Wir haben wirklich das Glück, dass wir schon viele total schöne Sachen mit dem schönen Material machen durften. Wie ist das oft dann? Kommt da irgendein Scheich aus Dubai? Oder wie funktioniert das? Wie kommen die da her und sagen die dann, kann ich mit meinem Privatjet in Hardegg landen? Weil wir würden sie gerne die Manufaktur anschauen. Nein, das geht eigentlich dann schon.

Wir haben da Partner natürlich in Österreich. Wir arbeiten da ganz eng, ich darf sicher da jetzt auch Werbung machen für die Firma F-List.

Mit denen arbeiten wir ganz eng zusammen und die machen da wirklich ganz tolle Projekte. Das sind aber auch ausgerichtete Wochen. Nur so Innenausstattungen für Privatschätze und Luxusjachten.

Und wenn die aber Perlmutt brauchen, was ja immer wieder benötigt wird, dann kommt das aber auch immer von uns. Also man sieht ja oft gar nicht so die tollen Sachen. Wir sehen zwar immer Fotos, aber so richtig herzahnen darfst du es ja dann gar nicht.

Das wäre sehr cool. Dann fliegen die mit auf Dauer, damit sie es sehen dürfen. Das wäre schön.

Das werden wir in Zukunft machen. Immer wenn sie von uns eine Perlmutt kaufen, muss es noch drei oder fünf Jahre überprüfen. Jetzt haben wir draußen natürlich ein paar alte Maschinen gesehen, mit denen ihr die Knöpfe bearbeitet.

Also richtig alte, schöne, tolle Maschinen, wahrscheinlich noch aus 1900 irgendwann. Aber damit ihr da ganz moderne Sachen machen könnt und freie Figuren, müsst ihr da schon produktionstechnisch und vor allem auch maschinentechnisch ganz am nächsten Stand sein, oder? Ja, also wir haben, wie du gesehen hast, nach wie vor noch immer die alten Maschinen. Wir machen ja nicht nur Großobjekte oder große Mengen, sondern es werden ja genauso auch kleine Mengen bei uns produziert.

Es gibt vielleicht ein Handarbeitsgeschäft, das vielleicht nur 30 oder 50 Knöpfe braucht und keine 1000 Knöpfe. Und man hat die nicht lagernd, dann macht man die halt gleich mit der Hand. Die Maschinen, wie du auch gesagt hast, die sind wirklich schon 80, 90 Jahre alt.

Die sind halt noch immer teilweise auch in Verwendung. Für die anderen Sachen werden halt noch wirklich die Lasermaschinen verwendet, wo du dann wirklich die ganzen modernen Sachen machen kannst, die Schneiderarbeiten und die Gravuren. Und das ist natürlich schon eine Hightech pur.

Ja, sehr klar. Und wie immer im Waldviertel wird da ordentlich zusammengehalten. Es gibt ja so einen Zusammenschluss aus 15 Handwerksbetrieben, wo ihr auch dabei seid.

Und da wird zum Beispiel jetzt von der Elfi Maisetschläger, bei der wir schon waren, die verwendet dann auch eure Knöpfe. Die Elfi hat auch teilweise natürlich auch von uns Perlmuttknöpfe, aber auf den Tieren hast du ja viele verschiedene Knöpfe. Da hast du genauso Metallknöpfe und Perlmutt oder Horn.

Aber wenn sie halt Perlmuttknöpfe verwenden, dann hoffen wir doch, dass die immer von uns sind. Folge 40 mit Nadel und Herz mit der Elfi Maisetschläger. Rainer, was ist so etwas, wo du sagst, das würde ich gerne aus Perlmutt noch einmal machen? Gibt es da so eine Vision, wo du sagst, das haben wir noch nicht gemacht? Einen Klositz oder keine Ahnung, was hast du noch nicht gemacht? Das hört sich interessant an.

Ich gebe dir gleich einen Auftrag, aber ich kann es mir nicht leisten. Wir werden dann mal irgendwas probieren. Wo wir jetzt ganz groß oder viel Versuche machen oder Projekte laufen haben, wir versuchen auch, unseren Abfall wieder weiter zu verarbeiten.

Das heißt, wir haben ja auch viel Abfall. Mein Großvater und mein Urgroßvater haben ja auch früher schon immer kaputte Sachen gehabt, was aber nie weggeschmissen worden ist. Weil Perlmutt war ja immer schon sehr teuer.

Das ist ja immer im Keller gelagert worden. Und so eigentlich ist entstanden, wir brechen jetzt unsere Materialien, wir sieben das aus in verschiedene Körnungen. Wir machen jetzt schon tolle Projekte, auch mit der Firma F-List.

Es werden ganze Platten gemacht, zum Beispiel für Duschkabinen mit unseren Abfällen. Aber wir haben da gerade ein eigenes Projekt. Wir wollen wirklich aus unseren Abfällen wieder Knöpfe und Schmuck produzieren.

Und das ist eine Vision von mir, die will ich wirklich in den nächsten eineinhalb Jahren verwirklichen. Und ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Das heißt, ihr klebt sozusagen den Staub und den Bruch wieder zusammen und versucht da wieder festes Material daraus zu machen? Genau.

Den Bruch, der wird eigentlich mit einem Binder, es braucht ja einen Binder, der das dann wieder zusammenhält und härtet. Nur dadurch, dass ja Perlmutter Naturmaterial ist, will man das halt nicht mit jedem Binder, mit irgendetwas Künstlichem machen. Sondern es wird doch dann ein Naturstoff sein, ein biologischer Stoff.

Aber da sind wir noch nicht ganz so weit mit denen. Aber wie gesagt, auf einem guten Weg. Ich sage einmal, so zehn Prozent fehlen uns noch.

Und ich glaube, dass wir das in ein, zwei Jahren dann auch haben, wo wir das dann wirklich total biologisch haben und aus unseren Abfällen dann auch was produzieren können. Sehr gut. Und gibt es eigentlich für Perlmutt einen Markt so ähnlich? Weil du gesagt hast, es ist auch teuer.

So ein bisschen wie Gold. So wie Gold. Also hat das einen Marktwert sozusagen? Nein, eigentlich nicht.

Dadurch, dass es wirklich nur noch wenige Betriebe gibt, die Perlmutt verarbeiten. Das würde eigentlich den Preis eher erhöhen. Von dem träume ich jeden Tag, dass so etwas einmal bald kommt.

Wir haben ja ein paar Tonnen, einen alten Perlmutter Knöpferlin. Und wenn das jetzt so einen Goldwert kriegt, dann passt es. Dann stellst du die Knopfproduktion ein.

Ja, genau. Aber man kann schon sagen, grundsätzlich, es gibt ja viele Betriebe, die so ein altes Handwerk machen, das nicht so gut geht. Also die kämpfen um die Nachfolge, die kämpfen auch um Aufträge.

Also da gibt es ja immer wieder auch viele Vorzeigebetriebe, für die es nicht so gut geht, wenn sie ein altes Handwerk machen. Bei euch ist das ein seltenes Handwerk, das wirklich nicht mehr viel machen, sehr altes Handwerk. Aber bei euch läuft das Geschäft, oder? Ihr habt es auch geschafft, auch mit diesen Luxusprodukten, die Transformation vom einfachen Perlmuttknopf von 1900, jetzt Luxusprodukte.

Ihr habt es geschafft, dass die Firma läuft. Wir haben es geschafft. Wobei, man muss schon immer sagen, klar, es gibt immer Höhen und Tiefen, aber auch bei uns im Betrieb, wenn ich nur denke, wir haben vor Corona wirklich die besten Jahre gehabt, gerade von der Knopfproduktion.

Der Bekleidungsindustrie ist total gut gegangen. Mit Corona hat sich das aufgehört. Der Bekleidungsindustrie geht es heute echt ganz, ganz schlecht.

Da haben wir viele, viele Millionen Knöpfe verloren im Jahr. Dafür hat sich halt das wieder dann irgendwo, andere Spaten haben sich dann aufgemacht. Nein, wir können sie nicht beklagen, wir tun auch überhaupt nicht raunzen oder was.

Ein Handwerksbetrieb hat es sicher nicht immer leicht, das weiß man, das wisst ihr, wartet schon bei vielen. Aber man muss natürlich auch immer etwas tun dafür und ein bisschen Glück haben. Wie gesagt, unser Glück war halt, und wir sind halt wirklich die einzigen, wenn du nachgooglest und suchst Perlmutt, sind wir natürlich gleich ganz vorne gereiht.

Dann weiß jeder, weil es wirklich viele Betriebe gibt, wo man halt eine Perlmutt auch kriegt. Und da darf man halt dann schon viele verschiedene Sachen machen. Was heißt Perlmutt eigentlich auf Englisch, wenn jetzt der Scheich googelt? Mother of Perl.

Mother of Perl, wirklich? Das ist aber ein sehr nicer Name. Also das ist ja Mother of Perl, heißt Perlmutt, und früher hast du eigentlich immer gesagt Perlmutter. Und das Perlmutter ist eigentlich gekommen von Mother of Perl.

Wow, cool. Und ist das eigentlich nur, noch einmal zurück jetzt zum Anfang, aber ist das nur ein einziger Muschelort oder wie funktioniert das? Oder gibt es mehrere Muschelorten, aus der die dann gewonnen wird? Also wir haben zwei verschiedene Muscheln, das eine ist eine reine weiße Muschel, das ist wirklich sehr, sehr hochwertig. Makassa, so heißt der auch, der kommt auch von der Insel Makassa aus Indonesien.

Der andere ist Tahiti, hat man vielleicht schon einmal gehört, eine Tahitiperle, die schwarze Perle, die wird auch in dieser Muschel gezüchtet. Und dann haben wir noch drei verschiedene Schneckenarten, also wir haben fünf verschiedene Materialien, wobei halt die weiße Muschel und die trockenen Schnecken, wo wir Knöpfe draus machen, das sind unsere Hauptmaterialien. Das andere für den Schmuck ein bisschen was.

Bist du dann öfter auch einmal dort vor Ort, um dir das anzuschauen? Wir haben es eigentlich vorgehabt, in der Corona-Zeit, also vor Corona, wir sind eingeladen worden, beim Moomin, so heißt der, guter Freund von uns, er war ja schon öfters auch bei uns. Wir kaufen ja seit 1953 bei ihm. Bei ihm und seiner Familie wahrscheinlich? Gleiche Generationen, mein Opa hat schon bei seinem Opa gekauft.

Und wir kennen uns gut, und wir waren auch bei ihm auf der Hochzeit eingeladen, in Indonesien, aber da ist dann Corona gekommen, da haben wir dann nicht fahren können. Und ich muss jetzt ehrlich sagen, immer ist jetzt irgendwas anderes gewesen. Ich war noch nicht dort, aber ich hoffe, dass wir das bald schaffen.

Dann wünschen wir die bald die Zeit dazu. Das auf jeden Fall. Es ist natürlich wunderschön im Waldviertel, aber man muss schon einmal rauskommen und einmal wieder etwas anderes sehen.

Aber das bringt uns schon zu der vorletzten Frage, was ist so für dich das Waldviertel? Was macht die Region für dich aus? Was bedeutet für dich das Waldviertel als Region? Das Waldviertel für mich ist einfach meine Heimat. Das ist ganz wichtig. Ich brauche jetzt gar nicht die Ruhe suchen.

Wir haben die ja einfach da. Wir haben ja da den Nationalpark Thayatal in der Nähe. Ich bin da sicher, jede Woche 2-3 Mal dort. Auch am Abend. Es gibt da so schöne Punkte. Ja, die Ruhe.

Ich könnte mir nichts anderes vorstellen, wo ich eigentlich gerne Leben würde, weil es einfach da bei uns am schönsten ist. Und was macht für dich ein Waldviertler, eine Waldviertlerin aus, als Mensch? Einfach Ehrlichkeit. Das ist ganz wichtig. Hilfsbereitschaft. Einfach gute Leute. Wie es sich sagt, „A Woidviertler, drei Leit“.

Genau. Rainer, danke für den super Einblick. Wer sich interessiert, schaut gerne vorbei auf waldviertl.at. Da findet man natürlich alles darüber.

Perlmutt oder die Perlmutt-Manufaktur. Einfach Perlmutt googeln, kommt man ja sofort nach Hardegg. Danke, Rainer.

Und wir verabschieden uns bei „A Woidviertler, drei Leit“. Danke. „A Woidviertler, drei Leit“.

Der Waldviertel Podcast.

Wir sagen ein großes Dankeschön an Bund, Land und Europäische Union für die Unterstützung unseres Podcasts.

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